Was hat Selbstregulation mit Trauma zu tun?
Unsere Fähigkeit zur Selbstregulation entsteht nicht von allein – sie entwickelt sich in den ersten Lebensjahren im Kontakt mit anderen. Babys können sich noch nicht selbst beruhigen oder regulieren. Sie brauchen dafür eine Bezugsperson, die in enger Beziehung zu ihnen steht und ihnen Sicherheit vermittelt. Diesen Prozess nennt man Co-Regulation.
Durch diese verlässliche Begleitung lernt das autonome Nervensystem (ANS) nach und nach, mit immer intensiveren Reizen – von außen wie von innen – umzugehen. Das sogenannte Toleranzfenster wird weiter, und das Nervensystem gewinnt die Fähigkeit, sich über längere Zeiträume hinweg innerhalb dieses Fensters zu bewegen, zwischen Anspannung und Entspannung zu „schaukeln“ (siehe Abbildung).
Dieser Entwicklungsprozess verläuft nicht immer ungestört. Kommt es zu ernsthafteren Beeinträchtigungen, spricht man von Entwicklungstrauma. Ausgelöst werden kann so etwas bereits durch Erfahrungen, die aus Erwachsenenperspektive eher harmlos wirken, für ein Baby oder Kleinkind jedoch enormen Stress bedeuten – etwa eine schwierige Geburt, eine längere Trennung von der Bezugsperson (z. B. durch einen Krankenhausaufenthalt), eine emotional wenig präsente Bezugsperson oder schwierige Bindungserfahrungen. Solche Erlebnisse sind erstaunlich häufig – deshalb betrifft das Thema Entwicklungstrauma weit mehr Menschen, als man zunächst annehmen würde. Eine Studie spricht von etwa 64 Prozent der Erwachsenen, die mindestens ein belastendes Kindheitserlebnis erfahren haben.
Im Laufe des Lebens kann zudem etwas hinzukommen, das das Nervensystem komplett überfordert: ein Ereignis, das zu groß, zu plötzlich, zu erschütternd oder zu überwältigend ist, um in dem Moment verarbeitet werden zu können. Man spricht dann von einem Schocktrauma. Dazu zählen etwa ein Unfall, der Verlust eines nahestehenden Menschen oder des Arbeitsplatzes, Gewalterfahrungen, Mobbing und Ähnliches. Auch solche Traumata – in der Abbildung als „toxischer Stress“ bezeichnet – wirken sich je nach persönlicher Konstitution und Lebenssituation (Stichwort Resilienz) unterschiedlich stark auf unsere Fähigkeit zur Selbstregulation aus.
Diese Zusammenhänge zu kennen, achtsam auf die individuelle Situation der begleiteten Person zu beziehen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse behutsam und methodisch stimmig in den Begleitprozess einfließen zu lassen – genau das verstehe ich unter traumasensibler Begleitung. Ich verbinde dabei jahrzehntelange Erfahrung als Diplom-Psychologin und Traumatherapeutin mit modernen Erkenntnissen der Psychotraumatologie, körperorientierten Methoden, achtsamkeits- und atembasierten Übungen sowie der heilsamen Wirkung der Natur.
Sie erhalten nicht nur Verständnis für das, was in Ihnen geschieht, sondern auch viele praktische Möglichkeiten, Ihr Nervensystem selbst zu unterstützen – im Alltag, zu Hause und in herausfordernden Situationen.
Mein Ziel ist es, dass Sie wieder mehr innere Ruhe, Sicherheit und Selbstvertrauen erleben. Dass Hoffnung wachsen darf. Dass Sie Ihre eigenen Stärken neu entdecken und Schritt für Schritt Ihren ganz persönlichen Weg zurück zu mehr Lebensfreude, Zuversicht und Verbundenheit finden.